Fliegen im Alter: Sauerstoff, Medikamente, Assistenz
Fliegen ist auch im hohen Alter meist problemlos möglich. Wichtig sind die richtige Vorbereitung: Assistenz am Flughafen 48 Stunden vorher anmelden, Medikamente ins Handgepäck, bei Sauerstoffbedarf das ärztliche Formular der Airline besorgen – und unterwegs an die Thrombosevorbeugung denken.
Assistenz am Flughafen und an Bord
Wer schlecht zu Fuß ist, muss die oft langen Wege im Flughafen nicht allein bewältigen. Nach der EU-Verordnung 1107/2006 haben Reisende mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität an allen EU-Flughäfen und an Bord Anspruch auf kostenlose Hilfe – vom Check-in über die Sicherheitskontrolle bis zum Sitzplatz, beim Umsteigen und bei der Ankunft. Melden Sie den Bedarf mindestens 48 Stunden vor Abflug bei der Airline, am Flughafen oder über den Reiseveranstalter an. Sie können einen Rollstuhl-Service anfordern, auch wenn Sie sonst keinen Rollstuhl nutzen, aber lange Strecken nicht schaffen. Das nimmt der Reise viel Stress. Mehr zu Ihren Rechten lesen Sie im Ratgeber Barrierefrei reisen: Checkliste & Ihre Rechte.
Medikamente richtig transportieren
Wichtige Medikamente gehören immer ins Handgepäck, nie in den aufgegebenen Koffer – falls dieser verloren geht oder verspätet ankommt. Nehmen Sie mehr mit als für die geplante Reisedauer, damit Sie bei einer Verzögerung nicht in Not geraten. Flüssige Medikamente sind von der 100-Milliliter-Regel im Handgepäck ausgenommen, sollten aber angemeldet und mit einem Rezept oder ärztlichen Attest belegt werden. Führen Sie außerdem einen Medikamentenplan mit Wirkstoffnamen und Dosierung mit – im Ausland heißen Präparate oft anders. Bei manchen Wirkstoffen, etwa starken Schmerz- oder Betäubungsmitteln, gelten für die Ausfuhr besondere Regeln; klären Sie das rechtzeitig. Details zur Zusammenstellung finden Sie im Ratgeber Reiseapotheke für Senioren.
Fliegen mit Sauerstoff
Wer auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen ist, kann in der Regel trotzdem fliegen – allerdings mit Vorlauf. Tragbare Sauerstoffkonzentratoren (POC) gewinnen den Sauerstoff aus der Umgebungsluft und sind an Bord meist erlaubt, weil sie keinen komprimierten oder flüssigen Sauerstoff enthalten. Flaschen mit Druck- oder Flüssigsauerstoff dagegen sind Gefahrgut und stark reglementiert. Für die Nutzung eines POC verlangen die Fluggesellschaften ein ärztliches Formular (MEDIF), das man bei der Airline erhält, sowie die Anmeldung mindestens 48 Stunden vor Abflug. Der Akku muss mindestens 150 Prozent der Flugzeit abdecken, damit das Gerät durchgehend läuft, plus Reserve. Die genauen Vorgaben – zugelassene Gerätemodelle, Fristen für das Attest, Sitzplatz – legt jede Airline selbst fest. Fragen Sie deshalb früh und schriftlich nach.
Gesund durch den Flug
Langes Sitzen erhöht das Risiko einer Thrombose, im Alter mehr als bei Jüngeren. Beugen Sie vor, indem Sie viel trinken (Wasser, keinen Alkohol), regelmäßig aufstehen und umhergehen sowie die Beine und Füße im Sitzen bewegen. Kompressionsstrümpfe sind auf Langstrecken sinnvoll; bei erhöhtem Risiko besprechen Sie mit dem Arzt, ob eine medikamentöse Vorbeugung nötig ist. Achten Sie außerdem auf einen Sitzplatz mit etwas Beinfreiheit und am Gang, damit Aufstehen leichter fällt. Wer unter Herz- oder Lungenerkrankungen leidet, sollte vor einer Flugreise ärztlich abklären lassen, ob und unter welchen Bedingungen das Fliegen unbedenklich ist.
Vor dem Flug: ärztlich abklären
Bei bestehenden Erkrankungen lohnt sich ein Arztbesuch vor der Flugreise. Der Luftdruck in der Kabine entspricht etwa dem einer Höhe von zwei- bis zweieinhalbtausend Metern, wodurch der Sauerstoffgehalt im Blut leicht sinkt. Für gesunde Menschen ist das unproblematisch, bei Herz- oder Lungenerkrankungen aber ein Thema, das ärztlich beurteilt werden sollte. Ebenso wichtig ist der zeitliche Abstand nach bestimmten Eingriffen: Nach Operationen, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gelten empfohlene Wartezeiten, bevor man wieder fliegen darf. Auch die Einstellung von Blutverdünnern oder die Anpassung von Medikamenten bei Zeitverschiebung – etwa bei Diabetes und Insulin – bespricht man am besten vorab. Der Arzt kann bei Bedarf ein Attest oder das für Sauerstoff nötige MEDIF-Formular vorbereiten. Diese kurze Abklärung gibt Sicherheit und verhindert, dass eine Vorerkrankung unterwegs zum Problem wird.
Checkliste für die Flugreise im Alter
- Assistenz mindestens 48 Stunden vor Abflug anmelden.
- Medikamente ins Handgepäck, mit Reserve und Medikamentenplan.
- Sauerstoff: POC frühzeitig anmelden, MEDIF-Formular besorgen, Akku ≥150 % der Flugzeit.
- Dokumente: Rezepte/Atteste, Versichertenkarte, ggf. Schwerbehindertenausweis.
- Thrombose: viel trinken, bewegen, Kompressionsstrümpfe auf Langstrecke.
- Sitzplatz: am Gang, mit Beinfreiheit, Aufstehen erleichtern.
- Versicherung: Auslandskrankenschutz mit Einschluss von Vorerkrankungen.
Häufige Fragen zum Fliegen im Alter
Gibt es ein Höchstalter fürs Fliegen?
Nein, ein generelles Höchstalter gibt es nicht. Entscheidend ist der Gesundheitszustand. Bei bestehenden Herz- oder Lungenerkrankungen sollten Sie die Flugtauglichkeit vorab ärztlich abklären lassen.
Wie fordere ich Hilfe am Flughafen an?
Melden Sie den Bedarf mindestens 48 Stunden vor Abflug bei der Airline, am Flughafen oder über den Reiseveranstalter an. Die Assistenz ist nach EU-Recht kostenlos und begleitet Sie vom Check-in bis zum Sitzplatz.
Darf ich meinen Sauerstoffkonzentrator mitnehmen?
Tragbare Sauerstoffkonzentratoren sind an Bord meist erlaubt. Sie brauchen ein ärztliches MEDIF-Formular der Airline, müssen das Gerät 48 Stunden vorher anmelden und genug Akku für mindestens 150 Prozent der Flugzeit mitführen. Druck- und Flüssigsauerstoff sind nicht erlaubt.
Wie viele Medikamente darf ich mitnehmen?
So viele, wie Sie für die Reise plus Reserve benötigen. Flüssige Medikamente sind von der 100-Milliliter-Regel ausgenommen. Führen Sie Rezept oder Attest und einen Medikamentenplan mit.
Wie beuge ich einer Thrombose vor?
Viel Wasser trinken, kein Alkohol, regelmäßig bewegen und aufstehen, Beine im Sitzen bewegen und auf Langstrecken Kompressionsstrümpfe tragen. Bei erhöhtem Risiko den Arzt fragen.
Wie lange nach einer Operation darf ich fliegen?
Das hängt vom Eingriff ab. Nach größeren Operationen, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gelten empfohlene Wartezeiten, bevor Fliegen wieder unbedenklich ist. Diese Frage sollten Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt klären, bevor Sie buchen.
Ist ein Langstreckenflug im Alter riskant?
Für gesunde ältere Menschen in der Regel nicht. Achten Sie auf Thrombosevorbeugung, ausreichend Flüssigkeit und Bewegung. Bei Herz- oder Lungenerkrankungen empfiehlt sich vorab eine ärztliche Abklärung, ob und unter welchen Bedingungen der Flug unbedenklich ist.
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Stand: Juli 2026. Angaben ohne Gewähr; Vorgaben zu Sauerstoff und Medizingeräten legt jede Fluggesellschaft fest. Quellen: EU-Verordnung 1107/2006; Luftfahrt-Bundesamt; Airline-Vorgaben zu tragbaren Sauerstoffkonzentratoren.